von Karl Schönherr

mit: Franziska Mencz, Christian Aumer und Martin Leßmann

Regie: Ralf Knapp

http://www.bremer-kriminal-theater.de

“Zuerst habt ihr mich aufgerissen bis auf den Grund, und jetzt möchts ihr mich wieder zudrehn wie einen Wasserhahn. Aber mich fangts nimmer ein.”

‘Der Mann. Sein Weib. Ein junger Grenzgänger. Schausplatz: eine Stube.’ So lapidar die einleitende Regieanweisung im Stücktext, so tödlich der Konflikt, der sich zwischen den  Worten zusammenbraut. Auf ein Schmugglerehepaar an der Grenze zwischen Bayern und Tirol wird der neue Gebirgsjäger angesetzt. Er soll sich an die Frau heranmachen, um dem Mann das verbrecherische Handwerk zu legen. Dieser hält seine Frau an, auf die Avancen des Grenzjägers scheinbar einzugehen um diesen in Sicherheit zu wiegen. Aber aus der taktischen Annäherung zwischen Frau und Jäger erwächst eine alpenländische amour fou und aus dem strategischen Plan des Ehemannes brennende Eifersucht.

In schnörkellosen, wie in Erz gegossenen Sätzen, in kraftvollen, kantigen Szenen erzählt Schönherr eine schwarze Emanzipationsgeschichte: Die Frau, von beiden Männern zum bloßen Werkzeug degradiert, befreit sich mehr und mehr aus ihrer funktionalen Rolle und wird zur treibenden Kraft. Unerbittlich wie in einer Tragödie läuft in einem Showdown voll eruptiver Erotik alles auf das Ende zu.

Unter der bäuerlichen Oberfläche und der alpinen Kunstsprache keine Spur von Lederhosentragödie. Vielmehr eine Dreiecksgeschichte von archaischer  Wucht, mit einer sogartigen, ja rauschhaften Kraft. Ein Volksstück der anderen Art.